Grenzen erweitern: Yoga mit Jugendlichen in 2017

Auch wenn das Jahr noch lange nicht vorüber ist, möchte ich in aller Kürze ein klitzekleines Resümee ziehen. Denn schließlich beginnt nächste Woche eine neue und intensive Phase meines Lebens.

Kinderyoga Berlin: Mein Herzensprojekt wächst und gedeiht

 

Im Dezember sind es vier Jahre, in denen ich Kinderyoga unterrichte. Mein “erstes Mal” fand im Rahmen einer Eltern-Initiative zur Weihnachtszeit in der Klasse unseres Goldmädchens statt. Gleich bei meiner Premiere also 24 Kinder! Und die Stunde (es war eine Reise zu den Sternen) kam so gut an, dass ich weiter Mut fasste. Die Anzahl der Kurse wuchs stetig mit der Nachfrage von Kitas und Schulen: Zeitweise gab ich zehn verschiedene Klassen in allen Teilen Berlins und für die Altersstufen von 3-11 Jahren.

Auch wenn die Kinderyoga-Praxis in den Kitas, welche bislang den Großteil meiner Aktivitäten ausmachte, sehr viel wilde Freude freisetzt – ich sehnte mich mehr und mehr nach Yoga mit Jugendlichen. Ihnen mit Yoga den Rücken zu stärken in den Wirren der Pubertät und ihnen so zu mehr Selbst- und Körperbewusstsein zu verhelfen –  ein großer Wunsch.

Vielleicht wird dieser Wunsch auch genährt durch meine persönliche Geschichte. Ohne allzu ins Detail gehen zu wollen: Meine Zeit zwischen 14 und 18 Jahren war mehr als einschneidend und in jeglicher Hinsicht transformierend. Und ich erinnere noch jetzt die vielen Unsicherheiten, gepaart mit Zeiten absoluten Hochgefühls – und dass mir Musik, Bewegung und Autogenes Training viel dabei geholfen hat, meinen Platz zu finden.

Bei meinen Recherchen zu Yoga mit Jugendlichen dann die Ernüchterung: Selbst in einer Yoga-Hauptstadt wie Berlin sind die Yoga-Angebote für Jugendliche sehr spärlich gesät.

 

Yoga mit Jugendlichen hat Ausbau-Potential in Berlin. Wie also vorgehen?

Jahrelang zweifelte ich, ob ich mich an diese “schwierige” Altersgruppe wirklich herantrauen sollte. Aus meiner 240h-Kinderyoga-Ausbildung bei Thomas Bannenberg konnte ich mir zwar bereits wesentliches Rüstzeug für Yoga mit Jugendlichen aneignen. Auch und gerade in der Yoga-Philosophie und in der Anatomie sind wir durch die Kinderyoga-Akademie sehr gut ausgebildet worden. Dass ich über zehn Jahre bei MTV und VIVA für genau diese Zielgruppe redaktionell arbeitete und mich im Bereich Influencer/YouTube-Stars/Digitale Welten/Künstler/Charts auskenne wie meine Westentasche würde das Leiten von Kursen für Jugendliche natürlich unterstützen.

Doch würde mein bisheriges Yoga-Wissen reichen, um Yoga für die Teens 14+ anzubieten? Könnte ich verantwortungsvoll handeln, wenn zukünftige Teilnehmer im Kurs darauf vertrauen würden, von mir sicher durch ihre Kopfstand-Praxis geführt zu werden? Äh, nö. Ernüchternd, aber wahr: Letzten Endes kam ich mit aufrichtigem Fragen auch an meine persönlichen Grenzen: Wie wollte ich interessierten Jugendlichen, die Bock auf Grenzen austesten haben, herausfordernde Armbalancen vermitteln, die ich selbst nicht beherrsche?

Die Lösung lag auf der Hand: Eine Yogalehrer-Ausbildung würde mir das nötige Rüstzeug für Yoga mit Jugendlichen vermitteln. Und auch dabei helfen, meine eigenen Grenzen, die jeder von uns mit sich herumträgt, zu verschieben. Allein die Vorstellung, sich nun endlich an kraftintensiven Asanas (die ja im Kinderyoga-Bereich traditionell nicht geübt werden) zu versuchen statt sie eher zu vermeiden, öffnete meinen Horizont und bestätigte mir, dass eine Ausbildung der richtige Weg sein würde. Natürlich liegt sie spätestens jetzt auf der Hand, diese kritische Frage: Warum habe ich als Kinderyoga-Lehrerin bislang keine klassische Ausbildung absolviert? Die Antwort: Da es beim Kinderyoga-Unterricht viel um Yoga-Wissen geht – aber eben nicht nur. Es sind auch kreative Lösungen gefragt, eine pädagogische Erfahrung ist wichtig (ich habe u.a. Pädagogik studiert), ein Entfesseln des eigenen Kindes. Denn schließlich geht es im Kinderyoga nie um das korrekte Halten der Asanas, sondern um die Freude an der achtsamen Bewegung, eine eher spielerische Art der yogischen Vermittlung. Aus diesem Grund wählte ich statt der sonst üblichen Wochenend-Ausbildungen zur Kinderyoga-Lehrerin auch die weitaus intensivere 240-Stunden-Variante.

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Next step: Eine klassische Yogalehrer-Ausbildung

Zurück zum Thema. Der nächste, nicht einfache Schritt: Die Suche nach einer passenden Ausbildung und dem passenden Stil. Da in Berlin reichlich Yogalehrer-Ausbildungen angeboten werden, galt es hier eher, für mich zu klären, was genau ich wollte. Ja, was genau wollte ich denn? Ein kleines, qualitativ hochwertiges Studio ohne Tam-Tam und Schick-Schick. Keine konfektionierten Lehrer mit überteuerten Klassen und körperlich durchtrainiertem Medien-Publikum ohne spirit. Sondern eine persönliche Atmosphäre “mit Hand und Fuß”, in der ich mich wohl fühle. Eine Ausbildung, die jeden Azubi bei seinem jeweiligen Wissensstand abholt und auf Individualismus Wert legt. Und vor allem anderen: Ein Yogastil, der dem körperlichen Empfinden von Jugendlichen am ehesten entspricht. Also eher ein fließendes Yoga praktiziert, eins, das wunderbar mit Musik in Einklang gebracht werden kann.

Nach Recherche im Netz und zahlreichen Probestunden entschied ich mich mit Kopf und Herz für KALAA Yoga. Die beiden Schwestern Manuela und Stefanie Berndt leiten das kleine Studio im Prenzlauer Berg und unterrichten dynamisches und freudvolles Vinyasa Flow. Beide kommen aus dem Tanz, haben bei Cyndi Lee in New York gelernt. (Für Musik-Nerds wie mich nicht ganz unerheblich: Cyndi Lee hatte vor der Gründung ihres OM-Yoga-Studios langjährig als Tänzerin gearbeit. Und sich übrigens die Choreographie für ihre Freundin Cindy Lauper und deren Video “Girls Just Wanna Have Fun” ausgedacht.) Mitte Oktober geht es los, und im Juli 2017 werde ich nach der Yoga Alliance 200h zertifiziert sein. Ich freue mich schon riesig auf diesen neuen, persönlichen Weg, zu wachsen und Neues lernen zu dürfen.

2017 also wird Kinderyoga Berlin verstärkt Yoga mit Jugendlichen anbieten. Gerne auch an Schulen, die sich ja in den letzten Jahren vermehrt für Yoga geöffnet haben. Egal, ob als “bewegte Pause”, als Yoga-AG oder Wahlpflichtfach oder in kommenden Nachmittagskursen – Kinderyoga Berlin wird das Hauptstadt-Angebot an Yoga für Jugendlichen um kreative, emotionale und kräftigende Kurse bereichern!

 

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