
Stundenbild: Die neugierige Kuh
Einatmen, ausatmen
Ein paar Tage raus aus der Großstadt – das ist immer Balsam für die Seele. Und so war die zünftig-bayerische Taufe meiner kleinen Cousine ein wunderbarer Anlass, Berlin zu entfliehen und stattdessen wieder einmal gute Bergluft zu atmen.
Wir halfen auf dem – nun quasi zur Familie gehörenden – Bauernhof mit bei den Kühen und ließen uns viele tierische Geschichten erzählen. Zum Beispiel die von der Kuh, die es trotz Kette um den Hals im Stall immer wieder schafft, auszubüchsen. Ein Houdini unter den Kühen. Und einmal erlebten wir es sogar mit, das diese neugierige Kuh sich losgemacht hatte und an einer anderen Ecke des Stalls stehend seelenruhig weiterfraß.
Logisch, dass sich diese kleine Geschichte dazu anbot, eine Kinderyoga-Story von der neugierigen Kuh zu erfinden.
Zum Aufwärmen schlüpfen wir in unterschiedliche Tiere (siehe hierzu die Kartensets zu „Mein kleines Förderspiel“):
- Wir strecken uns wie ein Hirsch mit großem Geweih
- Wir hüpfen wie ein Delfin und rufen „Hop“
- Wir klatschen mit den Füßen wie ein Frosch
- Wir gehen auf allen Vieren wie ein Fuchs, bewegen hier gleichzeitig das rechte Bein und den rechten Arm
- Wir schwimmen wie ein Karpfen (aber auf dem Trockenen)
Bevor es mit der Geschichte losgeht, nehmen alle die Position Berg ein. Hier kann man erklären, wie gelassen und beständig die Alpen schon seit Millionen von Jahren existieren – und sich von nichts aus der Ruhe bringen lassen. Und das wir hier von den Bergen ein wenig lernen können, wenn alles in uns zappelt. Wenn alle Kinder im Berg verharren, gehe ich von Kind zu Kind, berühre sie an ihren Schultern und rüttele sanft an ihnen. Ich gebe jedem Kind einen anderen Bergnamen („Du bist so standfest wie die Anden (die Rocky Mountains, die Zugspitze)“) und lobe ihre Standfestigkeit. Das kleinste Kind ist immer der Brocken im Harz!
Natürlich können in eine Berg-Bauernhof-Stunde weitere Asanas eingebettet werden, wie z.B. der Adler, der Himmel, die Sonne…
Die neugierige Kuh
(Utensilien: Eine Kuh (z.B. von Schleich), Karten mit Tieren unter einem Tuch versteckt (oder aber als Figuren und in kleinen Gruppen angeordnet)
Es war einmal eine Kuh, die lebte auf einem Bauernhof. Jede Nacht stand sie mit ihren Schwestern angekettet im Stall. Doch die Kuh war sehr neugierig und auch sehr geschickt. Und so schaffte sie es immer wieder, die Kette um ihren Hals zu lösen. Die anderen Kühe warnten sie und sagten: „Geh nicht raus, bleib bei uns im Stall. Du weißt nicht, was dich draußen erwartet.“ Doch die Kuh wollte zu gern mit eigenen Augen sehen, wie die Welt außerhalb ihres Stalls aussah. Und so traute sie sich hinaus – jede Nacht ein wenig weiter.
Sie fand heraus, dass es noch andere Ställe auf dem Bauernhof gab. Im ersten Stall waren … (ab hier die Kinder reihum eine Karte unter dem Tuch ziehen lassen und sie fragen, was es für ein Tier ist und welchen Laut das jeweilige Tier macht) Hühner. Die Kuh rannte zurück in den Kuhstall und erzählte ihren Schwestern aufgeregt „Da draußen gibt es Hühner und die machen „Kikeriki“. Die Position Huhn.
In der nächsten Nacht entdeckte die abenteuerlustige Kuh einen weiteren Stall. (Je nachdem, welche Karte das nächste Kind zieht.) Sie öffnete ihn und dies war der Stall der Hasen. Mit dem Hasen-Laut (schnüff, schnüff) und der Asana Hase geht es zurück in den heimischen Kuhstall.
Nach und nach entdeckt die Kuh z.B. Esel, Pferde, Schafe, Ziegen (hier der Phantasie freien Lauf lassen), Hunde im Zwinger.
Nachdem die Kuh alle Tiere des Bauernhofs kennengelernt hatte, fragte sie ihre Schwestern: „Wäre es nicht viel lustiger, wenn wir zusammen ohne Ketten und Türen in einem Stall stehen würden?“ Natürlich! Und so löste die neugierige Kuh erst die Ketten der anderen Kühe, bevor sie sämtliche Ställe und Stalltüren öffnete und die verschiedensten Tiere nach und nach in den Kuhstall strömten. Das war ein Spaß!
Am nächsten Morgen staunte der Bauer nicht schlecht, als er den Kuhstall betrat: Alle Tiere hatten sich hier versammelt. Nun darf jedes Kind zum Abschluss „sein“ Lieblingstier nachahmen – sowohl in der Yogapose als auch mit lautem Geräusch. Welch eine schöne Kakophonie!
Dieses kleine Stundenbild ist nur ein Beispiel dafür, wie ein einfaches, persönliches Urlaubserlebnis mit ein wenig Phantasie zu einer Kinderyoga-Geschichte ausgestaltet werden kann. Dafür braucht es, wie Ihr seht, keine sensationellen Erlebnisse. Viel wichtiger finde ich es, dass eine selbst erlebte Geschichte anders transportiert und erzählt wird, nämlich weitaus emotionaler und belebter als beispielsweise ein vorgefertigtes Stundenbild.
Passende Musik rundet das Stundenbild ab. Zum Stopptanz wählte ich das Lied „Mein Esel Zacharias“ der Tiroler Band Bluatschink. (Deren zauberhaftes Tauflied auf der besagten Taufe von einem Duo gespielt wurde und für so manche Tränen der Rührung sorgte.)
Also nur Mut, erfindet Eure eigenen Urlaubs-Kinderyoga-Geschichten.