Was meine Zähne mit einem Hochleistungsmixer zu tun haben

omniblendVorletzte Woche war eine schlimme Woche. Eigentlich war es eine der schlimmsten Wochen. Seitdem hat mein Leben einen feinen Riss bekommen. Kein Scheiß.

Der Grund für meine persönliche Katastrophe lässt sich in einem Wort benennen: Zahnschmerzen. Solche, wie man sie nur Kim Jong Un wünschen würde. Und schlimmer fast noch die Erkenntnis: Wenn’s richtig im Argen liegt, dauert’s. Auch zwei Wochen später ist der Frieden in meinem Kieferknochen noch nicht wieder hergestellt. Gottseidank habe ich den tollsten, verständnisvollsten und kompetentesten Zahnarzt Berlins. Aber auch der gute Massimo brauchte einige endlos lange Tage, um meine freidrehenden Zähne zu beruhigen. Zermürbend. Aber auch verändernd….

Denn die Schmerzen waren so immens, dass ich begann, dankbar für die endlosen Behandlungen auf dem Zahnarztstuhl zu sein. Behandlungen, die ich Monate zuvor wahrscheinlich nur unter Vollnarkose überstanden hätte. Dankbar für die Hilfe. Und in den halbwegs klaren Momenten zwischen Antibiotikum und Ibuprofen, erschien ganz langsam die Frage: “Was genau macht mich da eigentlich gerade so krank?” Oder, auf den Punkt gebracht:  “Wie ist dieser Mist bloß in meinen Kiefer gelangt?”

Und so durchforstete ich das Internet nach Antworten. Entzündungen haben meist Bakterien als Erreger. Soweit war ich auch schon. Die Schlagworte “ph-Haushalt” und “sauer/basisch” sagten mir etwas. Die Theorie, dass Bakterien und Viren nur im sauren Milieu Nahrung finden, kam einer Antwort auf die Frage “Warum ich?” schon beträchtlich näher. Auch wenn die Basische Enährung umstritten ist: Konsequent gesund ernähre ich mich nicht. Fürs Kind propagiere ich die fünf-Hände-Regel, während es für mich gut und gern auch vier Portionen Obst und Gemüse täglich mehr sein könnten. Schließlich sind Yoga, vegetarisches Food, Pasta und minimal Alkohol noch lange keine Bank zum Ausruhen. Und seit unserem Umzug war es auch immer öfter mal eine Fertigpizza, die statt Gemüseauflauf in den Ofen geschoben wurde…

Tatsächlich lieben Krankheitserreger aller Couleur Fertigpizza, Zucker, “Krebs”mehl – und alles, was sonst zu einem sauren oder ungesunden Milieu verhilft. Und so lauten die Maßnahmen für meine langfristige Heilung: Detox. Aufbau mit Schüsslersalzen. Ernährungsumstellung.

Stop, nun mal gaaanz langsam: Detox? Hallo, Gehirn? Wenn ich ehrlich bin, finde ich diese zurzeit grassierende mega-gesunde Welle, diese superhealthy Blogger, die angeblich schon vor 25 Jahren grüne Smoothies propagierten und sämtliche Superfoods im Schlaf herunterbeten können, ganz schön unheimlich. Liegt es nicht auf der Hand, dass Smoothies gerade eher Zeitgeist sind? Warum spricht niemand mehr von Saft? Wie konnten wir eigentlich vor der Einnahme von Unmengen an Chiasamen, Macapulver und Gojibeeren überleben, ohne an Skorbut zu sterben? Welcher Sinn liegt einem grünen Smoothie zugrunde, wenn ich den darin enthaltenen Broccoli als abgepacktes Pulver für viel Geld im veganen Supermarkt gekauft habe?”

Aber natürlich kommt man mit Sarkasmus und oldschool Post-Punkrock-Attitüde nicht weiter. Und versuchen kann man es ja mal … Also Step 1: eine Woche testweise keinen Kaffee, keine Milchprodukte (okay, nur Käse!), kein Weißmehl, keine Süßigkeiten. Klappt ja prima.

Na, und dann habe ich mir doch ein Detox-Kochbuch gekauft. Randvoll gefüllt mit den tollsten Smoothie-Rezepte, raw cakes und süßen Sünden aus Datteln und Früchten. Und war – leider – fasziniert. Nüsse, Sprossen, Salat, Obst: alles in den Mixer, und fertig. Jetzt, bam!, Auftritt Hochleistungsmixer. Mein Step 2.

Seitdem der “Omniblend” vor rund zehn Tagen bei uns eingezogen ist, steht das laute 3PS-Monster nicht mehr still. Bisher wurden Tartes hergestellt (mein Mann produzierte einen rohen Blaubeer-Cheesecake, wow!) und Mandelmilch, dann wieder das Getreide für den morgendlichen Frischkornbrei geschrotet. Eine Schoko-Mousse mit Suchtfaktor habe ich schnell gemixt (dafür ohne Sahne und Milch) und natürlich Säfte (!) ohne Ende. Seitdem gab es so manchen Mmmmh-Moment in der Familie. Und die Nachbar-Kids verlangen nach “Schmusies”.

Meine Zähne sind langsam auf dem Weg der Besserung und ich fühle mich gesünder denn je. Ich werde keine Grünen Smoothie-Rezepte bloggen. Aber ich werde trotzdem in Zukunft wieder mehr meinem Körper zuhören. Word!

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